Fossilien des Gargasien der Provence                                  

Das Gargasium ist eine Einheit der jüngeren Unterkreide (Oberes Aptium). Im Tal von Apt in der Provence (Departement Vaucluse) nördlich begrenzt durch das Plateau du Vaucluse, südlich begrenzt durch das Luberongebirge, gibt es eine Vielzahl von Aufschlüssen, die teils sehr reich an einer kleinen Pyritfauna sind. Diese Schichten treten auch noch im Departement Hautes-les-Alpes-Provence, also in der sogenannten Hautes-Provence zum Vorschein. In diesen Schichten habe ich jahrelang gesammelt und durchaus interessante Funde gemacht.
Leider blühen diese Fossilien nach Jahren aus, weshalb viele Funde aus den 80er Jahren sich sozusagen "aus dem Staub gemacht" haben.
 
 

Östlich von Avignon liegt zwischen der Stadt Cavallion und den Voralpen der Hautes Provence im Osten ein kleiner Gebirgszug, der Luberon. Der Luberon, die nördlich davon gelegene Montagne du Vaucluse und das dazwischen gelegene Tal von Apt gehören zum größten Teil zum "Parc Naturel régional du Luberon" etwa 40% davon sind als geologisches Schutzgebiet "Réserve naturelle géologique du Luberon" ausgewiesen, hier ist es verboten, nach Fossilien zu graben oder sie zu sammeln.


Wie der Blick auf die geologische Karte zeigt, ziehen die Schichten des Gargasien am Fuße des Vaucluse-Gebirges entlang. In der Natur fallen sie oft als vegetationslose, aberodierte Mergelhügel ins Auge, sog. "Bad Lands". Diese Hügel können durchaus bis zu 30 Meter hoch werden, die gesamte Mächtigkeit der blau-grauen Gargasienmergel kann bis 80 Meter betragen.

 

Diese Mergel zeichnen sich durch einen Reichtum an zwar kleinen, dafür aber stets gut erhaltenen, gut ausgebildeten und pyritisierten Fossilien aus. A.E.Richter erwähnt in seinem Buch "Südfrankreich und seine Fossilien" (1979), dass nur im unteren Bereich des Gargasiums eine etwa ein Meter mächtige, stark fossilhaltige Bank ist. Aus meinen eigenen Aufsammlungen kann ich dies bedingt bestätigen, die höheren Bereiche sind eindeutig fossilärmer, wenn auch nicht fossilleer.

In der rein marinen Fauna des Gargasien weisen vor allem die Ammoniten einen großen Artenreichtum auf, daneben finden sich verschiedene Arten von Belemnitenrostren, Muscheln, Gastropoden, vereinzelt auch Brachiopoden, sehr selten hingegen sind Haifischzähne, Wirbel und Seeigel. Leitfossilien des Gargasien sind die beiden charakteristischen Ammonitenarten Aconeceras nisus D´ORBIGNY und Dufrenoyia dufrenoyi D´ORBIGNY, zwei eigentlich unverkennbare Ammonitenarten, die auf einer Sammeltour oft mehr als die Hälfte der Funde ausmachen können.

Die Aufschlüsse des Gargasien unterliegen einer recht starken Erosion. Besonders im Winter kommt es durch starke Regenfälle häufig zu kleinen Erdrutschen, das ablaufende Regenwasser bildet in den Rinnen starke Bäche, die oft metertiefe Canyons in die Erde schneiden. Zum Glück für den Sammler, denn nach jedem Regen sind neue Fossilien freigespült. Damit ist auch ein weiterer Reiz dieser Schichten angesprochen, denn man muß lediglich die Erdoberfläche absuchen. Als Werkzeug benötigt man ein größeres Taschenmesser oder einen Geologenhammer (der auch beim Erklimmen der Hänge hilft) und eine Tüte, die man am besten am Gürtel gefestigt, um beide Hände frei zu haben.

Graben lohnt sich hier nicht, der an der Erdoberfläche vorgetäuschte Fossilreichtum ist im Anstehenden nicht wiederzufinden. Ein recht guter Sammeltag kann mehrere hundert Fossilien  einbringen, von denen die meisten jedoch nur bis zu einem cm groß sind. Aber gerade diese Funde sind meist tadellos erhalten und unter dem Binokular interessant zu betrachten.

Die freigespülten Fossilien sammeln sich in den Ablaufrinnen des Wassers, hierauf sollte man also ein besonderes Augenmerk richten. Allerdings überstehen größere Exemplare den Weg den Hang hinab nur selten ohne Schaden, so dass in den Rinnen nur Bruchstücke und kleinere Exemplare liegen. Sucht man jedoch auch auf den Abhängen, so finden sich auch stattlichere Exemplare.

Die Präparation ist denkbar einfach. Da die Fossilien ziemlich unempfindlich sind, schüttet man den Tagesfund in einen Eimer Wasser, lässt den anhaftenden Mergelton ein bis zwei Stunden einweichen und bürstet die Fossilien bei Bedarf noch einmal ab. Empfindliche Fossilien wie Austern etc. wandern natürlich nicht mit in den Eimer. Noch anhaftender Schmutz kann durch leichtes Bürsten mit der Messingbürste entfernt werden, aber Achtung : manche Fossilien sind mit kleinen Pyritkristallen übersäht, hier hat die brutale Behandlung mit der Messingbürste üble Folgen.





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Kieferfragment
Pycnodontier



Wirbel



Dufrenoyia furcata (D´ORBIGNY)


Neohibolites sp.




Nautilus sp.


Aconerecas nisus
(ORBIGNY)








Fundortbeschreibung
Im Tal von Apt wird die Landschaft an vielen Stellen durch bis zu 30 Meter hohe, graue Mergelhügel bestimmt. Dies sind die Schichten des Gargasien, die vielerorts durch einen Reichtum an zwar kleinen, dafür aber meist gut erhaltenen, gut ausgebildeten und oftmals pyritisierten Fossilien ausgezeichnet werden. Besonders interessante Fundstellen gibt es unterhalb von Gordes, rund um den Ort La Tuiliere, links der D2 hinter Joucas in Richtung St.Saturnin d´Apt und auch bei Carniol und Opedette nahe Simiane-la-Rotonde in der Hautes Provence.

Geologie und Stratigraphie
Unterkreide - Oberes Aptium - Gargasien



Die Unterkreide in der Provence




Stratigraphische Tabelle der Unterkreide in der Provence

aus : Richter, Südfrankreich und seine Fossilien (Kosmos-Verlag, Stuttgart, 1979)




Die Stratigraphie des Aptien im Becken von Apt

Die Schichten des Gargasien repräsentieren das obere Aptien, eine Einheit der Unterkreide. Benannt wurde das Aptien von D´Orbigny (1840) in der „Paleontologie francais“. D´Orbigny beschrieb nur die Fauna aus den grauen Mergeln der Umgebung von Apt, die nach heutiger Stratigraphie das Obere Aptien (=Gargasien) darstellen. Paläontologen nach D´Orbigny untergliederten das Aptien bereits in zwei stratigraphische Einheiten mit unterschiedlichen Fauneninhalten :

  1. ein kalkiges Aptien an der Basis des Aptien, repräsentiert durch die Kalke von Bédoule, Ammonitenkalke.
  2. ein mergeliges Aptien, repräsentiert durch die Mergel von Gargas. Bei Ort Gargas nahe Apt findet sich die Typuslokalität des Gargasien, auf den Mergelkalken des Bedoulien liegen dunkelblaugraue Mergel mit Mächtigkeiten von 4 – 80 Metern auf. Gargas ist ebenfalls der Stratotypus für das Aptien und das Gargasien.

A.Toucas & W.Kilian erstellen zwei Etagen :



Interessant sind zwei unterschiedliche Faunenprovinzen des Gargasien, die bereits von Kilian (1913) beschrieben wurden. Man unterscheidet die Faunenprovinz vom „typ orientale“ und die Faunenprovinz vom „typ occidentale“.

Typ orientale : dies ist die östliche oder alpine Fazies, die typisch ist für den Alpenraum. Die Fazies ist eine Beckenfazies mit charakteristischen Faunenelementen : Lytoceraten und Phylloceraten (dies sind Ammoniten, die auf tiefes Wasser hinweisen).Fundstellen finden sich bspw. bei St.Andree les Alpes am Verdon und bei Lac de Castillon. 

Typ occidentale : die ist die westliche oder provenzalische Fazies, sie entstammt einem Ablagerungsraum mit geringer Wassertiefe, einem Flachmeer oder einer Randmeerfazies, bodenbewohnende Fauna (Muscheln, Austern, Würmer, Gastropoden) sind oft häufig. Charakteristische Ammoniten sind Dufrenoyia, Aconeceras und Cheloniceras.
Fundstellen finden sich bspw. bei Gargas, Apt, Gordes, Joucas, La Tuiliere, Carniol, Oppedette.




Ammonitenzonen des Gargasien




Ein typischer Aufschluß in den Mergeln des Gargasien, hier nahe des Ortes Carniol im Dept. Hautes-les-Alpes-Provence
März 2005


Der gleiche Aufschluß in Carniol an einem wolkenverhangenen Tag mit Blick auf die Alpen

März 2005



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