Das paläontologische Museum in Apt (Vaucluse/Provence)

Der Luberon in der Provence, ein kleiner Gebirgszug östlich von Avignon, bietet einige in Fossiliensammlerkreisen recht bekannte Fossilfundstellen.
Vor einigen Jahren wurde zum Schutz der wunderschönen Landschaft mit ihren vielfältigen Besonderheiten in Flora und Fauna der „Parc Naturel Régional du Luberon“ begründet, ein Teil des Naturparks (die Umgebung von 28 Lokalitäten auf dem Gebiet von 20 Kommunen) wurde zusätzlich als geologisches Schutzgebiet ausgewiesen, in dem absolutes Grabungsverbot besteht.


Die Karte zeigt den „Parc Naturel Régional du Luberon“ und das „Réserve Naturelle Geologique“

Bekannte Fundstellen kennen wir bspw. bei Carniol und Gargas im Raum Apt, wo graue Mergel des Gargasiens (Unterkreide, Oberes Aptien) anstehen, die eine kleinwüchsige, aber sehr artenreiche Pyritfauna beinhalten. Bei Cereste und Manosque finden sich in oligozänen Plattenkalken Fische, Insekten, Pflanzen und Wirbeltiere wie Frösche, Vögel und andere. Bei Vachère wurde 1981 ein Bachiterium – ein primitiver Pflanzenfresser von der Größe einer Gazelle - gefunden und aus den miozänen, weißen Kalken des Luberon sind großwüchsige Seeigel und Jakobsmuscheln bekannt.
Im neu gegründeten „Maison du Parc“ in Apt ist auch das „Musée de Paléontologie“ untergebracht. Neben Ausstellungen zu Flora und Fauna, zu Landschaftsgeschichte und Kultur im Luberon gehören im „Maison du Parc“ einige Räume der Geologie und der Paläontologie. Direkt links hinter dem Eingang des Museums befindet sich ein Raum, in dem Fossilien des Oligozäns von Manosque und Cereste ausgestellt sind.


Dapalis macrurus, das bekannteste und häufigste Fossil in den oligozänen Plattenkalken von Cereste.


Ein Vogel aus dem Oligozän von Cereste

Das aber war noch nicht alles ... man beachte bitte die schwere Stahltür ! Dahinter führt eine geheime Treppe in ein großes gruftartiges Gewölbe, das voller Fossilien und Informationen über die Geologie des Luberon ist. Direkt hinter dieser Tür begegnet dem Besucher das bei Vachères gefundene Bachiterium. Eine lange Steintreppe führt hinab in den Keller, ein Gemäuer aus dem 18. Jahrhundert, irgendwie wächst in diesem Moment die Sorge, ob denn die Tür noch geöffnet sein wird, wenn man wieder zurück ans Tageslicht möchte.


Hinter der geheimnisvollen Stahltür geht es abwärts in den urigen Keller – direkt hinter der Tür begegnet man dem Bachiterium von Vachères

Aber unten im Verlies verschwinden diese Sorgen schnell, wenn man inmitten der schönen Fossilien steht. Auf zahlreichen Schautafeln wird die Geologie der Region erläutert, von vielen typischen Fossilien der Gegend werden teils sehr schöne Stücke gezeigt, beginnend mit den winzigen Pyritgastropoden der grauen Gargasiummergel bis hin zu mehr als einem halben Meter großen heteromorphen Ammoniten der Unterkreide aus dem Plateau d`Albion.


Ein Blick durch den Kellerraum des Museums

 

Ammoniten der Unterkreide aus dem Plateau du Vaucluse

 

Die Ammoniten der Unterkreide des Plateau d´Albion.
 Man beachte die auf diesem Foto leider etwas versteckten heteromorphen Ammoniten hinter den Beinen der Besucherin : über 50 cm groß !





Ein Besuch in diesem Museum ist lohnend, wenn man sich im Luberon mit der Geologie beschäftigen und Fossilien sammeln möchte. Man bekommt einen guten Überblick über Geologie, Stratigraphie und Tektonik und weiß zumindest, welche Fossilien es im Luberon gibt – ob man sie dann auch findet, sei dahingestellt.



Die miozänen Kalke des Luberon enthalten großwüchsige Jakobsmuscheln sowie faustgroße Seeigel als spektakulärste Funde, aber natürlich auch viele kleinere Fossilien.




In dieser Vitrine sieht man die kleinen pyritisierten Fossilien der grauen Mergel des Gargasiens (Untere Kreide, Aptien)


An der Kasse gibt es gute Auswahl an Naturführern über den Luberon, auch die hier als Literaturangaben gemachten, sehr empfehlenswerten Bücher.

Wer Literatur über die Region sucht, sollte sich auch in der sehr gut sortierten Buchhandlung am Rathaus von Apt umsehen






Eine interessante Wand : sie zeigt den oligozänen See von Cereste. Die rote Säule im Vordergrund hat neben einigen Erläuterungen Knöpfe, man drückt einen und es öffnet sich ein Fenster, hinter dem das passende Fossil verborgen ist.



Ein oligozäner Frosch aus Cereste – man kann ihn nur sehen, wenn man den richtigen Knopf an der Wand des oligozänen Sees drückt.



Literatur

  • BRGM  (1997)  :  Decouverte Géologique du Luberon. - Exkursionsführer, 180 Seiten und geologische Karte des Luberon 1:100.000. - BRGM, Orleans
  • Conte, Gabriel (1989) : Fossiles du plateau d´Albion. – 70 Seiten, zahlreiche SW-Fotos, paperback. – Ed.Edisud, Aix-en-Provence.
  • Musée de paléontologie du Luberon : Museumsführer, erhältlich im Museum.- 32 Seiten.
  • Park Naturel Régional du Luberon (2003) : 2me edition. 192 Seiten , zahlreiche Farbfotos und – abbildungen. - Editon Gallimard, Paris

Anschrift

Das Museum liegt nur 200 Meter neben der Kathedrale von Apt im Stadtzentrum.

La Maison du Parc Naturel Régional du Luberon
60, place Jean-Jaures
84404 Apt Cedex

Tel 04 90044200
Internetseite des Maison du Parc

 



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